Vor vielen Jahren kannte ich mal einen Menschen, der hat es hier wohl nicht mehr ausgehalten. Der ist gegangen, hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Und ich habe dafür das größte Verständnis. Und gerade in Zeiten der größten inneren Finsternis bin ich verwundert, wieso mir nicht und vielen anderen Erdbewohnern auch nicht dasselbe einfällt. Nun halte ich es mit den qualvollen Gefühlen nicht anders als mit den freudvollen Gefühlen. Sie kommen und gehen, lassen uns verbittert oder entzückt auf das Leben schauen, sind immer nur periodische Begleiter unserer Lebenszusammenhänge, die einen Einfluss auf unsere Denkweise zum Tatbestand Leben haben.
Aber ich bin erstaunt. Ich bin immer noch da und auch die anderen sind noch da. Und ich frage mich, woher der Antrieb kommt, der Antrieb mancher Menschen – offenbar auch meiner – hier weiterzumachen?
Damit das hier nicht falsch verstanden wird, also ich halte mich eben nicht für suizidgefährdet, sondern stehe nur mal wieder vor tiefen Abgründen, habe von Menschen gehört mit abgrundtiefen Abgründen und komme lediglich für mich ganz selbstverständlich wieder einmal auf solch eine plausible Fragestellung. Und ich gebe zu, wenn das Leben mir nicht allzu dunkel erscheint, ich das Elend dieser Welt nicht ganz so präsent in meinem Kopf habe und ich meinen aktuellen Aufgaben nachgehe, ist die Sterbensfrage nicht wirklich brennend, aber zumindest schlummert sie immer in meinem Gedankenrepertoire herum.
Ich sage Euch ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass es in erster Linie die große Sorge ist, um was da dann kommen soll oder die Angst, ob sich das “Ende” eventuell schmerzvoll anfühlt. Ich denke auch nicht, dass in uns in erster Linie das Verantwortungsgefühl unseren Mitmenschen gegenüber geweckt wird und wir deshalb zu solch endgültiger Tat nicht bereit sind, weil unsere Freunde und Familienmitglieder dann alleine dastehen würden und sie mit dem Verlust klarkommen müssten. Das allein kann es nicht sein, was jemanden wie mich hindert, dieser ganzen Geschichte ein Ende zu setzen. Da muss noch etwas anderes sein, da gibt es ganz sicher noch etwas, aber ich finde es nicht heraus und habe doch schon wahrlich oft darüber nachgedacht.
Zwar halte ich jene Gedanken um mögliche physische Schmerzen und die Sorge um unsere Mitmenschen für triftige Gründe sich für das Leben zu entscheiden. Denn gerade für den zweiten Aspekt schwinge ich gerne die Moralkeule, weil wir eben Verantwortung nicht nur für uns, sondern auch für die anderen tragen, ich hier auf gar keinen Fall alleine zurück bleiben möchte und für mich die Idee von „Laissez-faire“ ganz einfach an diesem Punkt an ihre Grenze stößt.
Aber das Verantwortungsgefühl ist dennoch nicht der On-Schalter bzw. Stand-by-Modus für das Leben, meine ich. Menschen, die sich nämlich doch für den Tod entscheiden befinden sich psychisch und /oder physisch nicht mehr in der Lage diesen Aspekt zu bedenken. Das können die nicht mehr als Argument erkennen… hoffe ich. Ansonsten würde sich ja derjenige von dem ich am Anfang sprach bewusst gegen mich entschieden haben. Jener Mensch hätte ja dann noch immerhin die Überlegung angestellt, dass es mich gibt und dann bewusst in Kauf genommen, dass wir uns nie wieder sehen würden und er hätte auch entschieden, dass ich das einfach zu akzeptieren habe. Aber das nur im Ansatz anzunehmen, das halte ich nicht aus. Diese absolute Kränkung, dass vor dem Akt der Selbsttötung die Handlung reflektiert wird, halte ich wirklich nicht aus…
Jedenfalls meine ich von mir, dass mir diese Gedanken nicht kommen, wenn ich mich jeden Tag aufs neue für das Aufstehen entscheide, obwohl das ganze Leben keinen Sinn macht, mir bewusst ist, dass das ganze Leben keinen Sinn macht und obwohl ich zudem weiß, dass mir niemand einen Sinn für das Leben versprochen hat und auch noch obwohl mir sogar in besseren Zeiten die Sinnlosigkeit permanent präsent ist und ich mich nicht wirklich damit abfinden kann und darunter immer wieder leide.
Also frage ich mich, wie schaffen es Menschen denn nur mit ihrem schmerzvollen Dasein klarzukommen? Wie halten die das aus? Warum halten wir das alle aus? Warum halte ich das aus?
In guten Zeiten stiefele ich durch die Welt und meine, dass es sich lohnt – was immer das auch wieder heißen kann – sich für eine Welt einzusetzen, wo Menschen ohne Angst leben können. Da hat man dann ganz schön was zu tun, da hat man eine große Aufgabe gefunden… Und das macht natürlich nur Sinn, wenn ich mir vorstellen kann, dass Menschen sich verändern können, dass sich die Art und Weise, wie Menschen miteinander leben wollen, verändern kann. Ja, wenn ich mir vorstellen kann, dass Menschen überhaupt etwas wollen, setze ich mir einen Sinn zumindest für eine gewisse Zeit. Und selbst wenn dann der Zweifel aufkommt, dass das gar nicht stimmt, dass hier einfach alles weiterläuft, dann kann ich es mir immer noch so hindrehen, dass ich mir sage, dass das eventuell egal ist, wer hier was verändern will und wollen kann, weil der Mensch ganz einfach machen muss mit all dem, was er hat und kann.
… Aber das kann ich meistens nicht lange halten.
In schlechten Zeiten erdrückt mich die Gewissheit des sinnlosen Lebens einfach nur. Da sehe ich lediglich, dass es ein paar wenige Menschen gibt, die für sich etwas klargekriegt haben. Da kann ich dann wirklich nur eine Handvoll Menschen ausmachen, die geschnallt haben, dass man mit dem, was hier ist nicht einfach leben kann, es Dinge zu verstehen und zu kritisieren gibt. Und klar, diese Menschen sind natürlich auch alle ganz unterschiedlich und haben ihre Macken, aber das ist jetzt nicht weiter wichtig, weil mir reicht ja schon der grauenhafte Gedanke, dass da nicht sehr viele Menschen sind, die wenigstens etwas angenehmeres aus dem eh schon sinnlosen Leben machen wollen.
Und zudem sehe ich dann auf der anderen Seite eine Masse an menschlich verrohten Seelen, die im Leben nicht darauf kommen werden – aus Gründen, die jetzt auch egal sind – dass das Leben, wie es hier stattfindet mit all den vielfältigen Formen von Elend und Gewalt und der ganzen Armut keine Selbstverständlichkeit ist. Und je nachdem woher sie kommen, welche Position jene Leute abgekriegt haben, sie entweder aus dieser Kiste nicht heraus können, weil sie gar nicht die Möglichkeit haben oder eben diese Kiste gar nicht aufbrechen wollen, weil ihr Bereich in der Kiste sich vermeintlich ganz gut anfühlt. Und diese Vorstellung ödet mich noch mehr an.
Und plötzlich verliert sich alles so sehr. Plötzlich ist es egal, wo auf dieser Welt, egal was geschieht, weil es immer in die selbe sinnlose Richtung geht und diese Richtung auch noch für die Mehrheit der Menschen qualvoll und elendig ist, ob sie das nun spüren, hinnehmen bzw. ignorieren oder nicht.
Und darin lebe ich weiter und offenbar viele andere Menschen tun das auch, während die Frage, wie wir unser Dasein ertragen können und warum wir es überhaupt ertragen unbeantwortet bleibt… zumindest vorerst für mich.
„Das Leben ist ein einziger Alptraum“ (alias cock-a-leekie)
Das Fest ist vorbei und nicht wenige meiner Freunde und mich inbegriffen, scheinen halbwegs traumatisiert aus ihren Familienkreisen wieder in ihre Leben angekommen zu sein. Dieses Jahr hatten so einige das Bedürfnis, ihrer Empörung und Verwirrtheit eine Stimme zu geben. Da ist vieles an mein Ohr gekommen, Gesprächsfetzen oder Hilfeschreie, die sich nicht ungeschehen machen lassen. Und ich habe das alles hübsch in meinem Hirn gesammelt und es will nicht verschwinden. So notiere ich es hier, um Euch alle daran teilhaben zu lassen. Und mal sehen. Vielleicht haben wir es ja morgen wieder vergessen, vielleicht ist ja morgen alles wieder gut …
“Na, mein lütter Schietter.”
“terror starts at home”
“Ach scheiße, das tut mir leid, dass es mit P. nicht geklappt hat.”
“Ohje, sind angekommen. Bonjour Tristesse. Trend Hotel noch schlimmer als das Creativ Hotel. Und mein Lieblingsschwager und der einzige normale Mensch ist krank. 5 Stunden Familienhölle. Wir sprechen später.”
“Ach wenigstens an Weihnachten, da kommt die ganze Familie zusammen. Sonst komm’ wir ja auch nicht zum klönen.”
“Gesprächsfetzen: auf die Wälder um Minsk haben wa damals wie verrückt gebombt. Das hat wunderbar gebrannt….Ich muss sowieso mal kotzen”
“Hast Du auch schon die Flucht ergriffen?”
“Genug Alohol gefunden?”
“Na, ich bin einfach am 22. losgezottelt. Hab für Rainer so nen lütten Flachmann geholt und für Margarethe nen Weihnachtsstern. Und dann war ick durch damit. Watt willst da noch schenken immer?”
“Und wenn ich hier einmal in Ruhe gelassen werde, dann sind das Schreiben und Heulen die einzigen Trostfetzen.”
“Hey, wir haben noch die Familie auf dem Hals!”
“Nu aber rinn mit die Kugel. Streng Dich ma an! Willst doch wohl unsere Familienehre retten.”
“Aber lieber Weihnachtsmann, wir haben gehört, dass Du immer durch das Fenster schaust, dass Du alles siehst und unser kleiner Teo ja gar nicht immer artig ist. Was sagst Du denn dazu?”
“Oh Gott, ich dreh gleich durch…Du, im Alten Dorf hat es ja heute morgen um halb acht gebrannt. Ja ja, diese Pappdächer brennen ja wie Zunder. War bestimmt ne Kerze. Ja die ist dann runter gebrannt und dann puff. Und bei Edeka gibt’s ja jetzt so ne neue tiefgekühlte Entenpfanne. Nö. Elke heißt jetzt wieder Seehafer.”
“Dir ein Frohes Fest.”
Kommentar: Derartige Glückwunsche and warm words können sich zudem noch viel grandioser anfühlen, wenn sie aus der Ferne kommen, von einem Menschen, dessen Verhalten sich eh schon als eine einzige Enttäuschung entpuppt hat. Und das kann dann so klingen:
“I just wanted to wish you and your family a very Merry Christmas and a Happy New Year. I hope 2012 brings you nothing but the best. Take care”
“Wiehnachtsmann, oh Wiehnachtsmann, schau mir nich so böse an …”
“das grosse fressen. und die nicht müde werdende diskussion darüber …”
“Bin total deprimiert vom familymist und Liebeskummer. Aber ich betrinke mich gerade im Zug.”
“postweihnachtsabsturz. “froeh-hoe-liche weihnacht ueberall”. naechstes jahr “weihnachtsstricken in norwegen”. CAL is teaching us”
Und im Hintergrund solcher Szenarien hört man dann nicht selten – ich will ja nicht hoffen, dass diese Platte nur bei meinen Ahnen rauf und runter läuft – die tiefe Brummbärstimme von Freddy Quinn, wie er ganz herzzerreißend singt: “St. Niklas war ein Seemann. Er liebte Wind und Meer.”
…Es ist vorbei halleluja!
Stadtteil-Bude
Wenn sie wenigstens lesen und schreiben könnte, dann könnte sie zumindest ein Tagebuch schreiben und ihrem kleinen Dasein eine Stimme geben. Sie ist ein junges Mädchen von 15 Jahren, hat bis vor ein paar Monaten noch nie eine Schule besucht, spricht bisher kein Wort deutsch und wurde in eine Schule eingeschult, die zu den so hübsch genannten “Problemschulen”, in einem der “Problemviertel” unserer Stadt zählt. Wobei für mich zur Zeit nicht ersichtlich ist, ob für das Mädchen die Qual der Schule eventuell erträglicher ist als der übel riechende Dunst der Familienanstalt.
Und wenn sie denn nur lesen und schreiben könnte, dann würden vielleicht in einem kleinen, abgegriffenen Heftchen die folgenden Zeilen stehen:
23.11.2011
Endlich, endlich ist es Nacht. Habe wieder den ganzen Tag die Stunden gezählt bis das Ekel endlich gesagt hat, dass ich ins Bett soll. Vorher sollte ich ihm wieder noch nen Tee bringen. Und dann hat er mich wieder zu sich herangezogen, mich mit seinen Schwabbelarmen zu sich gezogen und meine Wangen in seine Wurstpranken geklemmt und mir einen Gutenachtkuss abverlangt und dann auch wieder mal so getan, als wolle er mich kitzeln, mit mir schäkern …oh Gott wie der stinkt! Und wie der sich heute wieder aufgeführt hat, so ekelhaft peinlich. Und meine Mutter hat wie immer die Klappe gehalten, gequalmt ohne Ende und dabei die drei fremden Menschen angegafft als könnten die ihr helfen, als könnten die uns wirklich helfen …Wer waren die überhaupt?
Die eine Blonde von denen, oh Mann, die hat so gut gerochen und so freundlich gelacht. Mir war das alles so schrecklich peinlich und ich wusste erst gar nicht, was die in unserer Bude wollte. Die andere große Brünette, war auch so nett zu mir, aber die habe ich wenigstens auch noch verstanden. Obwohl, die sah total ahnungslos aus. Die glaubte bestimmt, nur weil sie türkisch spricht, da hat sie mich gleich, aber hatte sie eben nicht. Die haben doch alle keine Ahnung von mir. Wen interessiert schon so eine braune, türkischsprachige Bulgarin?
Jedenfalls kamen die zwei heute morgen mit unserer Frau vom Jugendamt in die Wohnung gestiefelt. Ich hatte zuerst die Fantasie die würden das Ekel befragen und dann festnehmen, aber der Arsch hat die natürlich nicht interessiert, weil die wissen ja nichts von seinen widerlichen Touren…nicht nur mit meiner Mutter. Gleich danach hatte ich dann wieder diese Art Fantasien, wo ich mich wegträume in eine der schönen gemütlichen Wohnungen dieser drei Fremden, die sich mit Sicherheit nicht einmal ihre Schuhe ernsthaft ausziehen wollten, damit ihre flauschigen Angorasocken nicht mit unseren Teppichkrümmeln und Flusen in Berührung kämen. Ich stelle mir dann vor, dass mich eine von denen zu Besuch einlädt, weil sie mich so nett findet. Und ich darf mir dann alles genau anschauen…das Bücherregal der Brünetten mit den vielen dicken Romanen darin und den geheimnisvollen Geschichten, die ich einafch nicht lesen kann. Aber dann kommt die Gastgeberin zu mir, zieht ein Buch heraus und liest mir darin vor und ich schlafe ein, zuerst auf dem Sofa und dann später, in den folgenden Tagen in ihrem großen, weichen Bett und dann noch etwa später in meinem Bett und meinem Zimmer, weil ich habe dann schon längst ein eigenes Zimmer bei ihr in dieser warmen, hellen Wohnung …
>>Ja<<, hätte ich am liebsten gesagt, so wohnt man hier, wenn alle in deiner näheren Umgebung nur etwas mehr als gar nichts sind. Ich folgte den freundlich interessierten Blicken der Blonden, während sie sich zaghaft auf das mit der mintgrünen Decke bezogene Sofa setzte – dieses und das andere braunrustikale Sofa haben wir uns unten auf dem Wiesenplatz zwischen all den grauen Hochhäusern mit all den langweiligen Fenstern, eingefasst in seicht lilafarbene Fensterrahmen zusammengesucht.
>>Ja<<, hätte ich ihr am liebsten ins Gesicht geschrien, so eine schicke Anbauwand aus gefaktem Eschenholz hast du bestimmt nicht. Und die aus dem Schanier gebrochene Schranktür ist so schlimm nun auch wieder nicht. Der Fernseher lief nebenbei. Die Blonde und die Brünette haben da immer wieder hineingestarrt, während das Ekel so schmierig lachte und sich andauernd in das Gespräch zwischen meiner Mutter und unserer Dame vom Jugendamt einmischte. Die Blonde hat ja nicht viel verstanden, aber die schien ähnlich irritiert und argwöhnisch wie die Brünette. Am liebsten hätte ich die Glotze ausgemacht, damit sie sich das alles hier, den ganzen Dreck hier genau anschauen müssen, aber ich kann es nicht ertragen, wenn es zu still um mich herum ist. Und meine qualmende Mutter und das Ekel wären mit Sicherheit böse geworden, wenn ich ohne zu fragen die Kiste ausgeschaltet hätte. Aber das hätte ich erst später zu spüren bekommen, wenn wir wieder ganz unter uns gewesen wären.
In der völlig überheizten Bude saßen wir nun herum und ich versuchte zu schnallen, warum die zwei Frauen da sind. Die Brünette machte so Versuche sich mir vorzustellen, aber das Ekel quatschte sie andauernd von der Seite an und erklärte ihr, was ich für ein ungezogenes Kind sei. Die Blonde sah mittlerweile ziemlich angespannt aus, starrte im Wechsel meine Mutter und dann das Ekel und dann mich an. Sie wollte was sagen, aber ließ es dann wieder. Ab und zu übersetzte die Brünette ihr etwas im Flüsterton. Ich bin mir sicher, die beredeten mehr als das Besprochene. Kurzzeitig hatte ich den Eindruck, über die gepressten Lippen der Blonden huschte ein unkontrolliertes Grinsen …Ja, lacht ihr nur, dachte ich.
Irgendwann hatte ich dann verstanden, dass ich zu denen in eine Gruppe kommen soll. Zweimal in der Woche soll das sein. Und ich wollte am liebsten gleich mitgehen. Die sollten mich doch einfach sofort mitnehmen. Die können mich doch nicht hier lassen, dachte ich! Die müssen doch sehen, was das hier für eine Hölle ist.
Aber ich sah schon, dass die Brünette der Blonden so Zeichen gab, dass sie gleich los wollten. Die Blonde hatte auch schon angefangen ihren Kram einzupacken und schaute jetzt das Ekel mit ihren durchdringenden Augen an, weil der ihr mit seinen brüchigen Deutschfetzen imponieren wollte.
Und nebenbei hörte ich heraus, dass meine Mutter schon wieder nach Bulgarien fahren muss, um meinen jüngsten Bruder aus dem Heim zu holen. Ich wollte schreien. Ich will nicht mit dem Ekel alleine sein und ich konnte aber nicht schreien, weil ich nicht schreien darf, weil es doch keiner wissen darf. Wenn ich da einfach damit herausgeplatzt wäre, mit dieser ungeheuerlichen Geschichte, dachte ich mir, dann, dann hätte das alles vielleicht ein Ende … aber ich platze ja nichts aus mir heraus. Und das gehörte ja nicht dahin. Die Leute sind ja wegen etwas anderem gekommen. Ich wollte die jetzt nicht durcheinander bringen. Die sind schließlich gekommen um mir zu helfen, damit ich lesen und schreiben lerne und Freunde finde. Ich konnte die jetzt nicht durcheinander bringen. Die wollen mir doch helfen. Und ich möchte sehr gerne in ihre Mädchengruppe kommen. Und die werden mich nicht nehmen, wenn ich ihnen gleich am Anfang Probleme machen würde. Das geht nicht. Das geht auf gar keinen Fall.
Und die Brünette fragte beim Aufstehen noch einmal nach, wo ich denn in dieser Zeit bleiben würde. Auch die Blonde schien das sehr zu interessieren, ob der schmierige Sack neben mir den lieben Papi spielen würde oder irgendjemand anderes aus der Familie für mich da sein würde. Vielleicht haben die wirklich was gemerkt? Aber bitte, dann dürften die doch nicht gehen, dann müssten die doch bleiben.
Aber sie gingen tatsächlich, gingen in den Flur und zogen sich ihre Stiefel an, die das Ekel inzwischen in Reih und Glied aufgestellt hatte. Ja ordentlich ist er, richtig schön penibel und die zwei dachten sich da bestimmt, dass es hier doch ganz angenehm ist, weil wir sind ja ordenlich und sauber. Wir sind arm, aber sauber …immer.
Und dann gingen sie. Und ich kann sie erst am Montag wiedersehen. Das sind noch 122 Stunden. Aber das schaffe ich schon und wenigstens blieb ja noch unsere Frau vom Jugendamt. Die kümmerte sich noch ein bisschen, kümmerte sich noch um meine Mutter und den ganzen Schreibkram. Das ist auch wichtig. Das ist wirklich wichtig. Das hilft uns.
Wie verhält sich das eigentlich mit unserem Denken? Wann sind die Gedanken zu kurz gedacht? Ist es nicht wünschenswert, wenn sich ein Mensch schon kritsche Gedanken zu den gesellschaftlichen Verhältnissen macht, dass er sich auch Gedanken zu sich selbst macht? Geht das eigentlich im Grunde schon immer zusammen, nur ich denke, dass das ganz oft nicht der Fall ist, weil mir dann gleich folgende Dinge begegnen, die ich dann nicht verstehe? Was soll und kann ich da nur denken?
Die Themen Bild Dir eine Meinung, kritisches Bewusstsein oder Was geht in den Köpfen der Menschen vor? sind nicht wirklich neu von mir. Es geht mir aber in diesem Beitrag um subtile oder ganz offensichtliche Denkrichtungen, die mir teilweise im Alltag begegnen und von mir sichtbaren oder unsichtbaren Menschen geäußert werden, von denen ich den Eindruck bekam, sie würden hier ernsthaft etwas verstehen wollen und haben zu dieser Welt auch ziemlich kluge Gedanken. Aber dann geht da irgendwie manchmal nicht viel weiter und die Auseinandersetzung mit sich selbst scheint nicht stattgefunden zu haben oder nur marginal angegangen worden zu sein.
Ich will ja nicht die Moralkeule schwingen – zu spät und schon passiert – sondern das sind ganz wichtige Fragen für mich, wenn ich damit beschäftigt bin, mir eine angenehmere Welt zu wünschen und nicht darum herum komme der Frage nachzugehen, wie wir Menschen das denn hinbekommen können? Es reicht doch da eben nicht, und das ist schon eine heftige Arbeit, die Strukturen, in denen wir leben zu erkennen und richtig zu kritisieren.
Was ist denn da mit mir selbst? Was ist mit dem ganzen Zeug, das mich geprägt hat und mir einen Rucksack voller Eitelkeit, Konkurrenzgedanken, Profilierungsdruck und Ängsten auf den Rücken geschnallt hat? Das geht doch nicht einfach verloren, nur weil ich vielleicht etwas richtig kapiert habe. Da bleibt einem doch nichts anderes als sich immer wieder mit sich selbst auseinander zu setzen, denn ich habe jedenfalls bei mir noch nicht erkennen können, dass dieser Rucksack verschwunden wäre. Er ist leichter geworden mit zunehmenden Alter, lässt sich leichter auspacken und dennoch fühlt er sich phasenweise auch wieder voller an und muss von mir aufs Neue bewusst entladen werden. Und ich will jetzt einfach nicht annehmen, dass es nur mir so geht, weil dann säße ich ja gleich wieder in der Falle von Ich bin der loser und die anderen sind immer die Helden. Und außerdem bin ich zu eitel, um das wirklich glauben zu können ….
Worum es mir geht, ist nicht der Anspruch, dass Menschen keine Fehler machen sollen. Ich habe so viele davon und möchte auch darin nicht allein und verlassen dastehen. Mich treibt aber der Gedanke herum, ob intellektuelle Arbeit allzu oft eine Ablenkung von sich selbst ist. Und in diese strukturelle und unpersönliche Richtung dann von etlichen Leuten ganz motiviert und leidenschaftlich weitergedacht wird, aber das Hinterfragen von eigenen Verhaltensmustern auf der Strecke bleibt. Also sind denn da draußen wirklich viele Menschen mit trifftigen Argumenten gegen die hiesige Gesellschaft und gleichzeitig mit einem selbst-be-wussten kritischen Blick auf die eigene Person?
Ich habe da so meine Zweifel. Und nun zum Zweifel drei Alltagsausschnitte …
Ich war also neulich wieder in der Teamsitzung. Wir hatten das Thema Machtausübung von JugendamtsmitarbeiterInnen gegenüber den Fachkräften der freien Träger. Eine Kollegin beschrieb dazu sehr eindrucksvoll – wie ich fand – die mehrdimensionalen Abhängigkeitsstrukturen in denen sich die ‘missachteten’ Fachkräfte befinden, und dass durch jene Strukturen eine konfrontative Auseinandersetzung mit den Angestellten des Jugendamtes schier unmöglich sei. Sie erklärte dann weiter, dass sie solche Verhaltensmuster ablehne, sich davon verletzt fühle und sie mit anderen Menschen auf Augenhöhe zusammen arbeiten möchte. Bis dahin konnte ich mit ihren Äußerungen mitgehen, aber dann wurde deutlich, dass sie so gekränkt war, weil sie uns plötzlich klar machte, dass sie mit ziemlicher Sicherheit höher qualifiziert wäre als die zuständige Sachbearbeiterin vom Amt und sie eben keine “kleine Verkäuferin” sei. Hm …die Frau ist auch wirklich sehr kompetent, aber dass sie letztendlich ihre fachliche Kompetenz lediglich als Kriterum für einen Umgang auf Augenhöhe verhandelte und nicht jenen Umgang als etwas Generelles beanspruchte, hat mich dann wieder denken lassen: Och Mensch, Du warst doch schon so ganz nah in die richtige Richtung und nun kommt doch nur wieder der gängige Gedankenmist aus dir heraus geplappert …
Und dann hänge ich diesem Gedanken über den Tag hinaus nach und laufe an einem Eckhaus vorbei. An der einen Hauswand vorbei schlendernd, lese ich dann die offenbar neue Message: “Eure Brillen sind peinlich”. Und ich muss sehr lachen – und bin mir meines Lachens nicht ganz geheuer – weil mit diesem einen Spruch jedem, der hier in der Gegend wohnt klar ist, was und wer gemeint sind. Aber wenn ich dann abbiege und da steht an der anderen Seite “Yuppies verpisst Euch”, hört es tatsächlich bei mir auf und mir vergeht das Lachen. Hier wird offensichtlich eine Veränderung der Bewohnerstruktur im Kiez wahrgenommen, um dann jene ausgemachten “Yuppies” lediglich zu beleidigen. Aber was will man denn damit? Ihr sollt hier bei mir und uns nicht sein, sondern da, wo ich und wir nicht sind, aber ich habe die richtige Einstellung? Damit ist doch keine Gesprächsbereitschaft oder zumindest ein Argument gezeigt worden. Und nichts und niemanden wird das verändern.
Und da ich nicht davon ausgehe, dass Tante Gerda oder Gülay Theyze diese Hauswandnotiz hinterlassen haben, denke ich mir, dass so ein möglicher Gegenspruch an den Schreiberling im Sinne von “linker Trottel du, geh’ doch wo du wohnst” auch ein kurzes Schmunzeln hervorrufen würde, zumindest bei mir, aber ebenso allgemein und flach daherkommt. Da, seht Ihr…erst einmal fällt mir auch nur eine persönliche Beleidugung ein? Jedenfalls hätte ich mir an dieser Hauswand einen klügeren Spruch gewünscht und eine noch viel klügere Reaktion und am Ende einen super klugen Schlagabtausch…
Und eine Sache passend zu dieser Kategorie Wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst habe ich noch. Ich habe natürlich noch mehr Begebenheiten zu berichten, aber ich denke (weil ich denke, ja auch nur, dass ich denke), auch wenn sich die Geschichten unterscheiden, so laufen sie in ähnlichen Mustern ab. Also letztens erklärt mir ein Mensch sehr ausführlich, warum das so und so ist, dass viele Menschen sich keine grundlegend kritischen Gedanken über diese Welt machen können und wollen. Das Gespräch hat mir richtig Spass gemacht. Und irgendwie sprechen wir dann über Instrumente. Und ich denke mich fast im Einverständnis mit diesem Menschen darüber, dass wir neugierig und offen gegenüber Dingen sind, die wir nicht besonders gut kennen und dass wir uns zu Themen positionieren, bei denen wir auch wirklich etwas zu sagen haben. Und dann sagt dieser Mensch, “so ‘n Klaviergedöns [sei] bürgerlicher Scheiß” und damit würde er sich nicht abgeben. Natürlich steht dieses Instrument in einem ganz spezifischen bürgerlichen Zusammenhang und es gibt zahlreiche Mitbürger, die diesen “schicken” bürgerlichen Stil frönen, indem sie sich ein altes Klavier in die tolle Stube stellen so mit Häckeldeckchen drauf und kein Mensch in der Familie kann darauf spielen. Aber das muss doch nicht das Klavier für X oder Y bedeuten. Ich habe da jetzt auch nicht die große Ahnung von, aber ich bin mir sicher, dass da mehr hinter steckt und ich das einafch nicht weiß und wenn ich mich für ein Klavier interessieren würde, dann gehe ich dem nach und lehne das nicht ab, weil ich mit Klavier die “bürgerliche Scheiße” im meinem Kopf abgespeichert habe. Und niemand muss sich mit etwas abgeben, aber wenn man sich nicht auskennt, dann ließe sich wohl auch etwas Zurückhaltung zeigen.
Okay, wir haben das, was da ist. Eine andere Welt gibt’s eben nicht so einfach. Aber mich stimmt es trotzdem so richtig deprimierend, wenn da Menschen daher kommen, die bestimmte Zusammenhänge in dieser Welt erkennen und auch benennen können und gleichzeitig kein Interesse zeigen sich mit dem Gegenteiligen auseinander zu setzen, und einfach krass gedankenlos herumcoolen.
Was bleibt? Argumente müssen gefunden werden mit denen andere Menschen etwas anfangen können und die ihnen hoffentlich so etwas wie einen aha-Moment verschaffen. Und der Mut muss aufgebracht werden, sich selbst in erster Linie ehrlich begegnen zu wollen, weil sonst überzeugt man auch keinen Menschen mit großen Weisheiten, wenn der dann spätestens beim dritten Gespräch erkannt hat, dass z. B. Frau Schlau insgeheim und unbewusst ihren in der Kindheit geprägten Wünschen nachhängt und sich jetzt vorstellt, dass ihr Grundschullehrer ihr für diesen tollen Vortrag eine 1+ geben müsste.
Und ja, dann fühle ich mich heute eben hässlich, obwohl das doch kein Kriterium sein soll und ja, dann kriege ich gerade die Krise, weil Thomas, der doch mein Freund ist wieder viel klüger und toller erscheint als ich, und weil er eine Freundin hat, die ich gar nicht kenne, aber die super krass erfolgreich ist in einem Job, den ich gar nicht haben will.
Ich denke…mal wieder. Also ich denke wirklich, dass es nützlich ist, derartige Gedanken zu erkennen und anzunehmen, weil gerade dadurch nicht solche eingehämmerten Konkurrenzgedanken schnell verblendet oder verstecket werden können sondern sich dadurch auflösen lassen.
Und ehrlich, aber nicht mehr ganz so ernsthaft, wie in der 1. Klasse und natürlich auch total witzig gemeint, fragt sich hier am Ende auch ElectricOne: “Bekomme ich jetzt eine 1+?
- für Anja –
WIMES – wieder so ein Schnotter, den die Welt nicht braucht!
Juhu …endlich können wir, die Deppen der sozialen Arbeit noch mehr sinnlose Zeit mit sinnlosen Dingen verbringen. Okay irgendwie können wir diesen Aufwand natürlich als Arbeitszeit dokumentieren, aber widerum das Dokumentieren der erbrachten Eintippminuten und Denkeinheiten für die dokumentierten Kategorien und Bewertungen – ich erkläre das gleich noch – kostet ja auch wieder Zeit. Und in Gedanken daran, dass das alles sehr bescheusslich ist und das Ergebnis dieser Aktion mindestens fraglich erscheinen dürfte, erwischt mich gleich wieder soooo ein Gefühl der Ohnmacht, Wut, Raserei …und ich springe gleich von der Brücke.
Es gibt nämlich seit einiger Zeit – an mir ist das bis dato vorbeigegangen, weil ich doch nicht ahnen konnte, welch übergreifendes Ausmaß diese Aktion hat und man quasi dazu gezwungen wird mitmachen zu müssen – ein reichlich merkwürdiges Meßverfahren, nach dem es möglich werden soll die Wirksamkeit von Hilfen zur Erziehung (Wohn- und Tagesgruppen inklusive) zu messen. Das Verfahren wird bundesweit eingesetzt und soll somit einen Abgleich zwischen den einzelnen Bundesländern ermöglichen und NATÜRLICH eine Verbesserung der Hilfen für die Klienten sein. Also wirklich, mal ganz was tolles!
Die Art und Weise, wie die ganzen Informationen erhoben werden und was da eigentlich abgefragt wird, ist schon ausreichend speziell. Und darauf gehe ich auch gleich ein, aber hier in unserer Gegend erscheint die Anwendung noch extra lustig und waaaahhhhnsinnig vergleichbar, weil der Mittelteil der Falldokumentation, nämlich wo es um den Verlauf der Hilfe gehen soll, tja der fehlt einfach. Und wie kommt das?
Die jeweiligen Bundesländer müssen ihre Teilnahme an dem Portal bezahlen. Offenbar ist es möglich lediglich für zwei der drei vorhandenen Säulen der Studie den Zugang zu erkaufen. In unserer pleitegeiermäßigen Großstadt fehlte das Geld für den Mittelteil dieser Studie. Aber da das Motto wohl eher unter wenigstens mitmachen läuft und schlimmer geht ja immer, dürfen wir hier zur Falleingangsphase und bei Fallbeendigung unsere Klicks machen.
Und wie machen wir unsere Klicks? Also zuerst gibt die zuständige Sozialarbeiterin aus dem Amt ihre Klicks ab. Nach acht Wochen bekommen dann die Mitarbeiter der Träger ihre Chance. Und wie selbstverständlich, kann man dann sehen, was die Person aus dem Amt so klickediklick eingetragen hat. WIMES besteht nun denn aus acht “Definitionen und Anker”. Nummer fünf bezieht sich z.B. auf den Sachverhalt: SOZIALVERHALTEN. Nur die Sachverhalte, die auch in der Hilfe bearbeitet werden, bekommen in einem Möglichkeitsrahmen von sieben Kästchen ein Häckchen. SOZIALVERHALTEN wird jetzt mit einigen Worten definiert. Da steht dann, “der j. M. (junge Mensch) hält sich an soziale Regeln, kann soziale Situationen verstehen und reflektiert seine Rolle und Position in Gruppen, hat Freunde und Sozialkontakte, setzt sich angemessen durch und kontrolliert seine Affekte”.
Abgesehen davon, dass ich es völlig daneben finde, dass hier versucht wird Sachverhalte zu standardisieren, die ganz offensichtlich nicht quantitativ erhoben werden können, ist es noch viel aberwitziger – finde ich jedenfalls – dass man z.B. die Hilfe in einer Family beginnt, weil die KM eine Schizoprenie hat oder BorderLinezüge aufweist und nun ist man laut Hilfeplan für die ganze Familie eingesetzt worden, wobei die Hilfe auf dem Papier im Namen des Kindes installiert wird. Die Fragen im Fragebogen von WIMES beziehen sich dann lediglich auf die Person für die die Hilfe installiert worden ist, sprich auf das Kind. Es wird dann plötzlich egal, ob die Mutter, die ihr Kind tageweise nicht versorgen kann, irgendwelche Veränderungen in ihrem Sozialverhalten durchlebt hat, denn anklickmöglich sind im Web-Portal zwar mehrere Punkte, die sich aber nur auf eine Person beziehen, nämlich auf das Kind…. I LOVE IT
Und dann wird da in unserer Teamsitzung geäußert, dass der Träger ja froh ist, dass wir wenigstens mitmachen dürfen, unsere Einschätzung auch gefragt sei. OOOOhhhh merci, merci …how fäntästik! Was haben wir denn davon, wenn kein Mensch eine Ahnung hat, wie dieser ganze Quatsch am Ende ausgewertet wird. Ich mache mir jetzt nicht die Mühe die Soziale Arbeit als Grundsätzliches zu kritisieren, sondern bleibe bei jenem Punkt, wo es darum geht, dass der Einzelne ganz wahrscheinlich oder wenigstens vielleicht oder eventuell etwas von dieser eins zu eins Unterstützung hat. Und nun wird so ein Klient einfach verklickt. Selbst wenn man nicht gutgläubig im Formular herumklickt, sondern noch ganz clever seine Klicks machen will, hat man eben doch keine Ahnung, nach welchen Maßstäben der Kram ausgewertet werden soll.
Meint man nun, dass man besser nach einem halben Jahr alles ganz toll bewertet, damit gesehen wird, wie effektiv die Hilfe ist, könnte das bedeuten für die Auswerter der Studie, die ambulanten Hilfen lassen sich ja auch in 2 Std. pro Woche ganz sinnvoll einsetzen. Sagt man aber vielleicht mit seinem Klick aus, hier ist nix passiert, könnte es widerum heißen, die ambulanten Hilfen bringen keine Unterstützung für die Klieenten. Und selbst wenn der ernsthafte Wunsch dahinter steckt, die Hilfen zu verbessern, dann bringt mich das auch zum Heulen. Wie soll bei einer komplett falschen Erhebung eine logisch richtige Entscheidung getroffen werden?
Für gegenteilige Meinungen zum Thema bin ich sehr offen. Mir scheint nur, da waren wieder Menschen am Werk, die mit Sozialer Arbeit nicht viel zu tun haben. Es ist ja schön, wenn man irgendwie schauen möchte, wie die Arbeit in den ambulanten Hilfen verbessert werden kann oder wenn man gucken möchte, ob das Ganze überhaupt einem Lebewesen helfen kann. Nur bitte doch nicht so. Das ganze Verfahren erscheint mir wirklich daneben.
Es ist gruselig, wie da Massen von Leuten mit nichtsnutzigen Dingen beschäftigt werden. Und für solche Geschichten gibt es aber mal wieder besonders viel Geld in kürzester Zeit und eine große erzwungene Benutzerressonanz.
Bis bald!
electricOne
Du & Ich
sitzen auf einem Baum.
Sie sitzen auf einem stabilen Baum, aber, aber eben auch zusammen auf einem angeknacksten Ast. Springt Ich runter? Springt Du runter? Hält der Ast sie beide aus? Warten sie es ab, bis es knackt und Ast ab? Und vielleicht brechen sie sich ja beide nur einen Finger? Aber an- und aufgebrochen ist ja schon allemal etwas. Und manch einer hat sich auch schon das Genick gebrochen…
Du sagst: weiß
Ich sage: rot
Wir einigen uns auf rosa. Ich mag kein rosa. Und du? Ich dachte immer, du könntest dieses Misch auch nicht leiden.
Am nächsten Tag treffen sich Ich und Er. Oder war es Sie? Sie reden über Du. Und tendenziell sehen sie nur rot. Es gibt auch weiß, aber dann so richtig und klar. Rosa gibt es nicht, zumindest kein entschuldigendes rosa. Wie leicht es doch ist mit Er oder Sie über Du im klaren rot zu sprechen. Wieso konnte Ich das nicht mit Du?
Ich dachte immer, du könntest dieses Misch auch nicht leiden.
Der Unterschied ist wohl, hier waren nicht Er oder Sie oder alle Es zusammen gemeint. Denn dann werden weiß und rot unserem Scharfsinn entsprechend angemessen verteilt – manchmal wohlbemerkt auch etwas zu scharf – und mit dem watteweich von rosa geben wir uns doch nicht ab. Nun aber, du warst und bist gemeint. Und so bin auch ich gemeint. Und rosa steht uns nicht. …Klingt wie nach ‘ner anderen Farbe. Und nun ist’s zu nah?
Also schön, bleiben wir bei Ich und Du.
Ich hat immer gemeint, dass Ich kein Blatt vor dem Mund nimmt. Eine in Kauf genommene Fehlwahrnehmung. Es ist Winter. Und auf dem angeknacksten Ast sind eh keine Blätter. Wie war es denn im Sommer oder im Frühling? Und Du? Du schaut nicht wirklich hin. Das kann Du nicht, das will Du nicht, das hält Du nicht aus. Ich sieht doch, dass Du sich heimlich ein rosa Kleid angezogen hat … für die nächste Party. Was ist nur los mit Du?
Ich weiß es nicht.
Kategorie: Jetzt mal ICH und nicht die Strukturen und das Kapital
1) Warum möchtest du so gerne der Bestimmer sein?
2) Glaubst du, dass du dich wesentlich für das Leben deiner Mitmenschen interessierst?
Und wenn ja, versuchst du dir ihre Bewegründe und Handlungen zu erklären und sprichst mit ihnen darüber?
3) Wofür schämst du dich? Welche Funktion hat das Schamgefühl als Teil deiner Empfindsamkeit in deinem Leben?
4) Haben versteckte Empfindungen, wie Überheblichkeit, Machtspielchen und Neid deinen Freunden gegenüber Platz?
Würdest du dies zugeben können, wenn du auf eine bestimmte Situation, wo sich eine der versteckten Emfpindungen für dein Gegenüber diffus gezeigt hat, angesprochen würdest?
5) Was hieße es im Moment für dich, sich einen Ruck zu geben?
6) Kannst du dir vorstellen, dass die Welt sich nicht ändert, weil es dir schon schwer fällt, dich zu verändern?
….et peut-être je veux mourir sur scène
Mancher Leute Alltagsfragen
Kategorie: Kinderfragen
1) Ein neunjähriger Junge fragte mich einmal sehr drängend: “Warum kann mir der Mann das Fahrrad nicht einfach schenken? Oder ich kann ihm doch geben, was ich hab’, aber doch nicht so Geld?”
2) Wie beantwortest du die von einem 5 jährigen Kind gestellte Frage: “Wieso müssen die Menschen eigentlich heiraten?”
3) Was könnte “Rullerullerulle” heißen?
4) Ein zehnjähriges Kind musste bei einem SEK-Einsatz erleben, wie sein Vater vor seiner Schule von maskierten Menschen verhaftet worden ist. Was kann man nun auf die Frage antworten: “Meinst du, die Räuber werden nochmal kommen?”
5) Was antwortest du auf die Frage eines zehnjährigen Kindes, dass mit dir gerade vom Knastbesuch seines Vaters gekommen ist und dich fragt: “Wieso kann mein Vater nicht darin wohnen”, während sein Blick auf das Schloß Bellevue deutet?
6) Wenn ein fünfjähriges Kind dich fragt: “Was heißt im Zweifel für den Zweifel”, was antwortest du darauf?
7) Oder was sagst du hierzu, wenn ein 13 jähriges Mädchen mit mentaler Retardierung dich zur Begrüßung mit jenem Informationsschwall, “Ich bin verliebt. Ich bin in Robert verliebt. Ich will ihn ficken. Was muss ich machen, um mit ihm zu ficken? Hast du schon mal gefickt?” empfängt?
Welche Gedanken lassen sich gegenüber einem 17 jährigen Jungen formulieren, der dir erklärt: “Ich bin ein fettes Schwein, habe keinen Schulabschluss und bin n’ Türke dazu. Was soll ich denn hier in diesem Piss-Leben bitteschön machen?”
9) “Wo ist das Paradies ElectricOne?”
MARY KARI
Eine schöne, dunkelhaarige, zierliche Frau, geboren 1969 in Teheran und nunmehr lebend in dieser Stadt, empfängt mich an der Tür. Die großen, wachen Augen mustern mich. Wieder einmal eine Art Erwachen aus der Irritation, die einem das Leben ermöglicht. Ich weiß nicht genau, was ich mir vorgestellt hatte, aber eben nicht das. Zwei agile Menschen, sie und ihr Mann, Anfang vierzig in einer liebevoll eingerichteten Drei-Zimmer Altbauwohnung im Erdgeschoß. Mir ist sofort klar, dass das Erdgeschosswohnen eine gute und wohl auch die einzige nachbarschaftskonfliktfreie Wohnlösung ist, wenn ich die zwei kleinen aktiven Zwillinge sehe. Ich bin hier, hier um als Einzelfallhelferin der Familie zur Seite zu stehen. Eines der Zwillinge ist körperlich und eventuell auch geistig stark eingeschränkt.
Aber zurück zur Irritation. Sie, die Mutter beeindruckt mich von Anfang an. Sie ist eine Kämpferin, die alles und jedem nachgeht, nichts für gegeben hinnimmt und die wunderbare Fähigkeit besitzt, sich und ihre Umwelt immer wieder neu zu überdenken und zu erfinden. Habe ich mir wohl doch etwa eine dickliche, kopftuchtragende Frau vorgestellt? Ja, in diese Richtung gingen meine Vorstellungen. Daran konnten auch meine Vorinformationen über die Familie nicht rütteln. Erschreckend.
Sie arbeitet seit 2003 halbtags als Zahnarzthelferin in einer Praxis. Tom, der Vater ist seit sechs Jahren in einer Firma für die Untertitelung von Kinofilmen und DVDs tätig. Sie kennen sich ungefähr so lange wie die Kinder alt sind. Es sind inzwischen drei Jahre.
Es war an einem Januarabend, dass wir, sie und ich uns auf einen gemeinsamen Abend verabredeten. Mich interessierte ihre Geschichte, ihre Gedanken, wie sie das Leben verstand, gleichwohl ich schon bemerkt hatte, dass wir so eine Art Seelenverwandtschaft fühlten, dass uns wohl unsere Geschichten und Erfahrungen unterschieden, aber die Art zu denken und zu handeln eng verband. Zeitweilig malte ich mir dann aus, dass wir uns miteinander langweilen könnten, weil man ja eh schon weiß, was die andere sagen wird. Derartige Begegnungen sind selten – zumindest ich habe bisher noch nicht viele dergleichen erfahren – und natürlich alles andere als langweilig. Sie machen froh und können, wenn die Härte des Lebens gerade sehr stark in einem drückt und spannt, etwas Halt geben und der Hoffung auf, dass schon alles gut ist, und wenn nicht, dann doch ganz sicher werde, neuen Glanz verschaffen.
Im Iran hat sie einige Jahre Architektur studiert und wollte das Studium in Deutschland beenden, jedoch wurde ihr in dieser Stadt nichts von ihren bereits geleisteten Studienleistungen anerkannt. Sie hätte nach Bielefeld gehen können, dann wiederum Schwierigkeiten mit ihrem Aufenthaltsstatus bekommen. Da diese Angelegenheit in dieser Stadt zu ihren Gunsten zu verlaufen schien, musste sie Prioritäten setzten und entschied sich zu bleiben und einen beruflichen Neuanfang zu starten. Es folgte nach zwei Jahren Sozialhilfe eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Inzwischen ist es ihr relativ egal, welche Arbeit sie macht. Sie muss ihr etwas Freude bringen und vor allem genügend Geld für ein angemessenes Auskommen ihrer Familie. Ihr derzeitiger Job bietet diese finanzielle Perspektive nicht. Sie ist auf der Suche nach einer anderen Tätigkeit.
In diesem Zusammenhang denke ich an Adrienne Göhler. Sie spricht in ihrem Buch Verflüssigungen von diesem so genannten Zwischenraum, in dem sich unsere Gesellschaft scheinbar befindet. Auch Mary und Tom scheinen sich stark darin orientieren zu müssen. Sie haben ihr Auskommen, können sich aber darüber hinaus keine Extras leisten. Ihre beruflichen Laufbahnen folgen keiner Geradlinigkeit. Jeder kann sich etwas anderes vorstellen, aber die Abhängigkeit zu dem jetzt Bestehenden wird als groß empfunden. Dennoch, Mary zeigt Mut und Offenheit für neue Wege, probiert sich im Schreiben und der Fotografie aus, auch wenn sie mit zwei Kindern die Fesseln der finanziellen Sorgen deutlicher spürt als früher.
Die Ruhe und die Kraft, die beim Erzählen ihrer Lebensgeschichte mitschwingen beeindrucken mich. Vielen Exiliranern geht es nicht gut in Deutschland. Sie kommen hierher, haben sich alles ganz anders und vor allem einfacher und besser vorgestellt. Man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren, sagt sie. In Gesprächen mit ihren Freunden, die ebenso den Iran verlassen haben wie sie, thematisiert sie immer wieder, dass man das Wieso und Weshalb nicht vergessen darf. Sie habe Freiheit gewollt und die hat sie hier in Deutschland bekommen. Im Iran war sie gefangen im Goldenen Käfig. In der Familie und beruflich hat sie alles gehabt, aber nach Außen konnte sie sich nicht frei bewegen. Der Film Persepolis erzählt auch ihre Geschichte, sagt sie. Sie hat ihn sich zweimal angeschaut. Es ist immer wieder das Bewusstmachen ihrer individuellen Wünsche, sich klar zu machen, dass sie hier in diesem Leben Menschen treffen kann, wann und wo sie will. Die Gefühle von Sehnsucht und Heimweh dürfen einfach keinen großen Raum einnehmen, sonst geht man kaputt daran.
Sie ist kein Mensch, der zurück schaut und von hätte, wenn und aber spricht, aber sie schaut sich die Dinge, die da sind, ganz genau an. Sie ist nicht religiös, aber sie glaubt an Gott und dass Gott ihr zeigen wollte, dass sie nicht über Leben und Tod zu entscheiden hat. Ein behindertes Kind wäre für sie niemals in Frage gekommen. Und auch heute würde sie sich dagegen entscheiden, wenngleich sie ihre beiden Töchter über alles liebt und ihre Mutterrolle als lebenslange Begleiterin versteht, die ihren Kindern alles, was sie weiß und kann weitergeben wird, ohne sich selbst dabei aufzugeben. Tom und sie sind durch ihren Optimismus und ihre Gutgläubigkeit zu schnellen und unüberlegten Entscheidungen gekommen, was den Verlauf der Schwangerschaft angeht. Schon nach kurzer Beziehungsdauer ist sie unerwartet schwanger geworden, dann erfuhren beide, dass sie eineiige Zwillinge bekommen werden und plötzlich in der 23. Woche wird deutlich, dass das Risiko der Zwillingstransfusion eingetreten ist und sie schnellst möglichst handeln müssen. Innerhalb einiger Stunden haben sie entscheiden müssen, ob sie den Eingriff machen lassen wollen oder nicht. Für sie beide ging es dabei um Leben oder Tod der Zwillinge. Dass das Risiko einer Behinderung beider oder eines Kindes bei 8% Prozent liegt, das wird ihnen erst klar eine Stunde vor OP-Beginn als sie die Einverständniserklärung der Ärzteschaft für das mögliche Auftreten von Komplikationen während der OP unterschreiben müssen.
Es gibt drei Formen der Schwangerschaft bei eineiigen Zwillingen. Bei der Form, wo jeder Zwilling eine eigene Fruchtblase hat und sich beide von einer Plazenta, also von einem Kreislauf ernähren, kann es zwischen der 16. und 24. Schwangerschaftswoche in einem von 120 Fällen dazu kommen, dass der Kreislauf zur Überversorgung des einen und zur Unterversorgung des anderen Kindes führt. In der 20. Woche hat der Arzt erklärt, dass sie zur Risikogruppe gehören würden, aber nicht erklärt, was genau das bedeutet. Die beiden sollten darauf aufpassen, ob etwas Ungewöhnliches in der nächsten Zeit entstehen würde, ob unter anderem der Bauch extrem größer würde. In der 23. Woche wurde der Bauch extrem größer und das Drama nahm seinen Lauf.
Den Eingriff kann man bis dato nur in Hamburg vornehmen lassen. Der Schock war so groß, dass Mary ihren Arzt nur weinend anflehen konnte, ihre Kinder zu retten und so empfahl er ihnen die Klinik in Hamburg. Am nächsten Tag sind sie mit dem geliehenen Auto von Toms Chefin dorthin gefahren, wo man schon auf die beiden gewartet hatte. Nach dem Eingriff war dann auch gleich klar, dass eines der Kinder einen Hirnschaden davon tragen würde. Das war nun die neue, harte Realität. Sie, Mary wird ein behindertes Kind auf die Welt bringen.
Ja über Schwangerschaftsabbruch war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nachzudenken. Mary hat diesen Wunsch dem Arzt gegenüber nur einmal erwähnt, der dann aber meinte, dass es jetzt zu spät sei. Sie hatten einfach nicht genug Zeit, um besonnen zu überlegen. Fast ist sie sich sicher, dass der Arzt für seine Forschung bewusst schwammige Informationen gegeben hat. Er hat die beiden wahrscheinlich in der 20. Woche nicht beunruhigen wollen, um in ihnen die Gedanken über Abbruch der Schwangerschaft nicht großartig zu wecken. Eineiige Zwillinge sind selten und die Erfolgschancen jenes Eingriffs sind noch nicht genug erforscht. Jeder Proband ist wichtig, um aussagekräftige Daten liefern zu können.
Nun ist sie wirklich Mutter, Mutter von zwei Töchtern, eineiigen Zwillingen und eines davon ist behindert. Sie träumt davon, dass Shivaa wird selbständig sein können, und dass Sheydaa in dem Gefühl aufwächst, verantwortungsvoll ihrer Schwester gegenüber zu sein, ohne sich von der Verantwortung erdrücken zu lassen. Mary ist ihrem Leben gegenüber dankbar, dankbar, dass sie so viele gute Menschen um sich hat und ein freies Leben führen kann.
Und manchmal, manchmal sind die Last und Verantwortung spürbar groß. Dann träumt sie davon, wie ihre Mami plötzlich und endlich die Tür öffnet, so wie früher als sie mit dreizehn Jahren mehre Tage auf ihre vier jüngeren Brüder aufgepasst hat. Und dann alle Verantwortung von ihren Schultern fällt und sie sich nur noch um sich kümmern muss. Aber Mami wird nicht mehr kommen, denn sie ist jetzt die Mami, eine starke und stolze Mami, die an ihrer Stärke und ihrer Geschichte nicht hart geworden ist und deren Tränen mich in diesem Moment unglaublich anrühren.
Eigentlich hatte sich unser Träger dazu hinreißen lassen, ein passendes Motto für unsere Organistaion zu kreieren. Und ganz im Sinne der cooperate identity konnten sich alle Kollegen an der Mottofindung beteiligen. Nun denn. Es gab viele Ideen und viel Kritik darüber, was das Ganze überhaupt soll.
Schließlich hat dann einer unserer Mitarbeiter, der in der Rolle des letztendlichen Entscheiders fungiert – er ist nämlich eigentlich unser Geschäftsführer, aber das hört er nicht so gerne und ich glaube ihm das auch, aber, aber in einer Konkurrenzgesellschaft, von der sich auch der Träger nicht abschotten kann, ist und bleibt er der Chef der ganzen Angelegenheit – hat diese ganze Mottogeschichte für idiotisch befunden und sich überlegt, dass die Mitarbeiter doch einmal so eine Art Aphorismen zu bestimmten Begrifflichkeiten der Sozialen Arbeit aufschreiben könnten. Daraus würde dann ein kleines Buch entstehen. Ideen, Ideen, davon haben wir hier alle viel. Mal sehen, was aus dieser wird. Ich bin jedenfalls gespannt, was den Kollegen dazu einfällt. Mir persönlich hat das schon etwas Spass gemacht und ich habe deshalb meine Gedanken hier nochmals notiert.
Was verbindest Du mit interkultureller Arbeit/mit lebensweltorientierter Sozialer Arbeit/ mit interkulturellem Lernen/ mit interkultureller Handlungskompetenz?
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ist …
- Die Liebe zum Detail
- Eine Premiere nach der anderen
- Eine beeindruckende Umschreibung für die staatlich verabreichte
Beruhigungstablette
- Ein Konzertstück, das auf hundertfache Weise interpretiert werden kann
- Ein Leben, wie im Film
- Eine Kiste voller Überraschungen, die man für nichts in der Welt kaufen kann, aber
sich dafür auch nicht aussuchen darf
- Die unendliche Geschichte
Interkulturelle Arbeit ist …
- Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins
- Geschichten lesen zu können, die noch keiner geschrieben hat
- Ein Perpetuum mobile
- Die Agentur für verbale und nonverbale multilinguale Netzwerkkommunikation
- Himmel und Hölle im ewigen Streit
Interkulturelle Handlungskompetenz bedeutet …
- Ein reflektierter Workaholic zu sein
- Die tägliche Reise in ferne Länder, ohne Jetlag und Kulturschockempfinden
- Mehrere Romane gleichzeitig zu lesen und die Stories und Figuren auseinander
halten zu können
- Den Wald vor lauter Bäumen doch noch zu sehen
- Ich sehe was, was Du nicht siehst
- Das Vertrauen darin, das ein unerwartetes Kinderlachen, ganz plötzlich den eigenen Dramablick relativieren kann
- Die Frage nochmal anders stellen
- Auch „Ich“ bin entbehrlich
- Die Vision von einer Welt, in der Menschen, ohne Angst, anders sein können
- Dass Sortierungen nach Kultur und Nation und Hautfarbe und Geschlecht und Alter und Identität mir nichts bedeuten
- Der Tropfen auf dem heißen Stein, der gut platziert sein will
Interkulturelles Lernen heißt …
- Die innere Überzeugung: Resignation ist auch keine Lösung
- An sich selbst zu lernen
- Den Merkzettel: >Heute etwas für mich tun< nicht ständig zu vergessen
- Heute Abend kommt ihr mir nicht mehr ins Haus
- Reduktion von Komplexität ist nicht immer ne Option
- Die Erkenntnis: Grau ist auch ne Farbe
- Schlimmer geht immer
- Das Leben ist kein Ponyhof
- Hin und wieder ein befreiendes Selbstgespräch: Was mache ich hier eigentlich?
- Burnout kann auch eine Chance sein
- Ich gehe doch jetzt nicht schlafen!